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Der deutsche Gruß

Der deutsche Gruß

Nein, hier ist nicht von dem uns allen bekannten Gruß der leider unauslöschlichen 12 Jahre unserer Geschichte die Rede. Hier geht es um den neuen deutschen Gruß, eigentlich ist es eher ein Abschiedsgruß.

Vor zehn oder zwanzig Jahren haben wir uns noch lustig gemacht über die Amerikaner. Bei jedem Abschied, sei es im Restaurant, Geschäft oder bei Bekannten und Freunden, wurde uns bei unseren Amerikareisen ein „have a nice day“ entgegengeschmettert, stets begleitet von einem aufgesetzten Lächeln. „Have a nice day“ war für mich ein Teil der leicht oberflächlichen Freundlichkeit der Amerikaner. Es ist unverfänglich und nichtssagend.

Heute sagen auch die Deutschen „have a nice day“. Natürlich (noch nicht) nicht auf Englisch, sondern auf Deutsch: „Schöner Tag noch“ verabschiedet die Kassiererin im Supermarkt den Kunden, doch auch der Paketmann von DHL oder der Gesprächspartner am Telefon verwendet diesen Gruß, der sich über Film und Fernsehen rasend schnell vervielfältigt. Selbst die FAZ war sich heute nicht zu blöd, einen ihrer Artikel mit „schönen Tag noch“ zu beenden.

Es gibt Veränderungen der Sprache, die annehmbar sind. Der vermeintlich gute Wunsch, einen schönen Tag zu verleben, ist jedoch nicht akzeptabel, wenn er von einem völlig fremden Menschen ausgesprochen wird. Man könnte hier entgegenhalten, daß die Begrüßung „guten Tag“ genauso wenig aussagt und oberflächlich ist. Doch verdrängt der Amerikanismus des „schönen Tags“ nach und nach unseren alten Abschiedsgruß. „Auf Wiedersehen“ hört man nämlich nicht mehr so oft, und wenn wir noch ein paar Jahre warten, wird nur noch „have a nice day” übrigbleiben, und das wäre schade.

One Response

  1. Jens Werberg 27. November 2012 at 15:05 | |

    Obwohl der Wortschatz im Deutschen fortwährend anwächst, scheint sich Eines nicht zu ändern, nämlich die Bedeutung der Wortwahl. Fällt diese weg, bleiben wir mit allgemeinen Aussagen, welche nach belieben ausgelegt werden können. Der Verlust der gewählten Sprache kann mit dem Verlust der Identität einhergehen. Wehe uns.

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